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60,3 Millionen Menschen lebten 1994 in Thailand. Da die Bevölkerung jährlich um 1,6% zunimmt, werden es in 45 Jahren doppelt so viele Menschen sein. Die staatlichen Maßnahmen zur Familienplanung zeigen bereits seit einigen Jahren Erfolge. Trotz des gleichzeitigen Rückgangs der Säuglingssterblichkeit auf 3,1%, ist das Bevölkerungswachstum leicht rückläufig. Waren 1970 noch 16,5% der Gesamtbevölkerung jünger als 5 Jahre, sind es mittlerweile weniger als 12%. Die Lebenserwartung liegt in Thailand bei 69 Jahren (1960: 52 Jahre, in Westeuropa heute etwa 76 Jahre). Vor allem in den ländlichen Räumen lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Entgegen der populären staatlichen Familienplanungspolitik ist gerade die ländliche Bevölkerung noch immer im traditionellen Denken verhaftet. Man wünscht sich viele Kinder, denn sie steigern das soziale Ansehen und sind die einzige Alterssicherung. Der größte Teil der Bevölkerung lebt auf dem Land. Dennoch ist die Verstdterung, wie überall auf der Welt, auch hier zu sehen. Die Bevölkerung der Metropole Bangkok hat sich während der letzten 15 Jahre mehr als verdoppelt. Die Stadt wirkt wie ein Magnet auf die junge, arbeitslose Landbevölkerung. Die Träume von einem besseren Leben enden nicht selten in menschenunwürdigen Fabriken oder Massagesalons. Die Bevölkerungsdichte der städtischen Region Bangkok und Thonburi liegt bei 5815 Einwohnern pro km2, was über dem Wert entsprechender europäischer Großstädte liegt. Im Gegensatz zu den westeuropäischen Städten leben die meisten Menschen in Bangkok allerdings in ein- bis zweistöckigen Häusern - ähnlich wie in den Kleinstädten. Neben der Hauptstadt Bangkok (inkl. Umland über 9 Millionen Einwohner) gibt es keine weiteren Millionenstädte. Die nächstgrößeren Städte sind: Chiang Mai, Hat Yai und Korat (Nakhon Ratchasima). Schon früh haben sich die Menschen in den Flußebenen niedergelassen, die auch heute zu den am dichtesten besiedelten Regionen gehören. Hingegen können in den Bergregionen nur wenige Menschen auf den kargen Böden ihre Lebensgrundlage erwirtschaften.
81% der Gesamtbevölkerung Thailands sind Thai, so daß das Land relativ homogen ist. ber Jahrhunderte wanderte das Volk der Thai aus Yünnan Richtung Süden. Während die "großen Thai", die heutigen Shan, ins östliche Burma zogen, ließen sich die "kleinen Thai" im Gebiet des heutigen Nord-Thailands nieder. Von den alten Hochkulturen der Mon und Khmer übernahm man die Grundzüge für eine eigene Schrift, aus dem ceylonesischen Raum brachten Mönche den Theravada-Buddhismus und aus China kamen Handwerker und Künstler ins Land. Da die Thai niemals kolonisiert wurden, haben sie ihre eigene kulturelle Identität bis heute weitgehend bewahrt. Während der Ayutthaya-Periode festigte sich die Rolle des Königs als Staatsoberhaupt. Obwohl 1932 Thailand in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt wurde, kommt dem vom ganzen Volk verehrten König noch immer eine große Bedeutung zu. Ebenso wie die prunkvollen Tempel das Bild der Städte und Dörfer bestimmen, prägt der Buddhismus das gesellschaftliche Leben der Thai. Wenn auch staatliche Schulen mittlerweile die meisten Kinder ausbilden, so gehen doch viele männliche Thai mindestens einmal in ihrem Leben als Mönch ins Kloster. Neben buddhistischen Traditionen haben zahllose Riten und Bräuche hinduistischen oder animistischen Ursprungs einen festen Platz im Leben der Menschen.
Vor allem in den südlichen und nördlichen Provinzen leben ethnische Minderheiten. Die Südprovinzen an der Grenze zu Malaysia (Pattani, Yala, Narathiwat und Satun) werden von islamischen Malaien bewohnt, die dort 80% der Bevölkerung ausmachen. In diesen Provinzen kämpfen diverse Guerillagruppen für größere Autonomie bzw. die Unabhängigkeit von Thailand. Ein delikates Problem für die in der ASEAN-Gemeinschaft verbündeten Länder Thailand und Malaysia. In den Nordprovinzen leben als weitere ethnische Minderheit des Landes etwa 500 000 Angehörige der Bergstämme. Ihre Zahl nimmt zu, da einerseits die Lebenserwartung steigt und andererseits viele Menschen über die Grenzen aus Laos und Burma nach Thailand kommen. Die sieben größten Völker sind die sinotibetischen Karen, Meo, Yao, Lahu, Lisu und Akha sowie die zur Mon-Khmer Gruppe gehörenden Lawa. Während die Lawa bereits im 11. und 12. Jahrhundert von den einwandernden Thai in die Berge gedrängt wurden, sind die Karen wahrscheinlich im 17. und 18. Jahrhundert aus Nord-China über das südöstliche Burma in ihr heutiges Siedlungsgebiet gezogen . Andere Völker folgten verstärkt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Innenpolitische Wirren in Süd-China waren einer der Gründe für die Wanderungsbewegungen in Richtung Süden. 1880 gelangten die ersten Akha-Stämme in das heutige thailändische Staatsgebiet, 1920 waren Meo bereits bis in die Provinz Tak vorgedrungen. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs verstärkte sich die Einwanderung. Jetzt kamen Truppenreste der geschlagenen Kuomintang aus Süd-China. Man schätzt ihre Zahl heute auf etwa 10 000. Ein ähnlicher Schub erfolgte nach 1975 aus Laos, als vor allem Yao und Meo das Land verließen. Die alteingesessenen Völker (Lawa, Karen) siedeln weitgehend in den Tälern, wo sie in festen Dorfverbänden leben und überwiegend vom Naßreis-Anbau leben. Hingegen sind die Berghänge in 800 - 1200 m Höhe der Lebensraum später zugewanderter Völker, die Brandrodungsfeldbau betreiben und vom Bergreis- wie Opiumanbau leben. Eine staatliche Politik gegenüber den Bergstämmen wurde erst in den 50er Jahren in Bangkok formuliert. Heute geht es um den Ersatz von Opium durch cash crops (Kaffee, Blumen, Gemüse, Obst), die Verfeinerung der Anbaumethoden von Bergreis, Mais usw. sowie um die Verhinderung der Bodenerosion. Der von den Bergstämmen und übrigens auch den zugewanderten Thais bevorzugte Brandrodungsfeldbau hat unermeßliche Schäden angerichtet. Zudem leben in Thailand 400 000 illegale Immigranten aus Burma und Indochina. Während die Burmesen seit Mitte der 70er Jahre vor allem als billige Arbeitskräfte in den Süden des Landes strömen, haben sich viele Vietnamesen im Osten und Nordosten niedergelassen. Eine andere, wirtschaftlich einflußreiche Minderheit sind die ca. 7 Mill. chinesischstmmigen Menschen. Eine Untersuchung der Thammasat-Universität stellte fest, daß 63 der 100 größten Industriebetriebe von Chinesen kontrolliert werden. Zudem sind 23 der 25 einflußreichsten Männer der Wirtschaft Chinesen. Obwohl die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Thailand und China bis ins 13. und 14. Jh. zurückreichen, sind erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts die meisten Menschen eingewandert. Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 versiegte der Strom der Einwanderer. Den Einfluß der Chinesen wollte man durch zahlreiche Gesetze beschneiden, was offensichtlich nicht funktionierte.
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