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| Die Kunst und Kultur Thailands ist in erster Linie durch den Buddhismus geprägt. Daneben haben animistische und hinduistische Überlieferungen aus früherer Zeit ebenso die Entwicklung der Künstler beeinflußt wie die alten chinesischen und indischen Kulturreiche.
Die Künstler waren vor allem für die Ausschmückung der Tempel zuständig. Entsprechend bestehen die Sammlungen der Museen aus religiösen Gegenständen. Vieles ist im Laufe der Geschichte dem zersetzenden tropischen Klima, Bränden oder Kriegen zum Opfer gefallen, vor allem Holzschnitzereien, Textilien und Holzgebäude, während steinerne Tempel und aus Metall gefertigte Buddha-Figuren überlebt haben. Daneben wurden zu allen Zeiten alte Bauwerke und Skulpturen wieder bearbeitet und dem Zeitgeschmack angepaßt oder verblichene Wandmalereien übermalt. Nicht selten wurden mehrere Chedis übereinander errichtet, denn mit der Produktion neuer Kunstwerke erwarb man sich einen größeren Verdienst als mit dem Restaurieren verfallener Werke. Dennoch zeugen noch heute zahlreiche Skulpturen und Tempelruinen von dem ästhetischen Empfinden der Menschen vergangener Jahrhunderte und beeindrucken die Betrachter durch ihre hohe künstlerische Qualität und Ausdruckskraft.
Vor der Gründung des Thai-Reiches Früheste steinzeitliche Funde, die bis zu 1 Million Jahre alt sind, wurden in der Provinz Kanchanaburi gemacht. Nahe dem Dorf Ban Chiang im Nordosten Thailands entdeckte man bis zu 7000 Jahre alte Tonscherben, Waffen, Schmuck und andere Hinterlassenschaften einer der ältesten Siedlungen Südostasiens. Bereits vor 4500 Jahren, früher als in China und Indien, stellte man hier Werkzeuge und Waffen aus Bronze her.Früheste steinzeitliche Funde, die bis zu 1 Million Jahre alt sind, wurden in der Provinz Kanchanaburi gemacht. Nahe dem Dorf Ban Chiang im Nordosten Thailands entdeckte man bis zu 7000 Jahre alte Tonscherben, Waffen, Schmuck und andere Hinterlassenschaften einer der ältesten Siedlungen Südostasiens. Bereits vor 4500 Jahren, früher als in China und Indien, stellte man hier Werkzeuge und Waffen aus Bronze her. Im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung hatten sich bereits kulturell hochstehende Reiche entwickelt. Der Süden Thailands stand im 8. Jahrhundert unter dem Einfluß des Srivijaya-Reiches von Palembang (Süd-Sumatra), eines der ersten buddhistischen Reiche, dessen Kunst stark von indischen Einflüssen geprägt war. Bereits früher hatten sich in Zentral-Thailand (Nakhon Pathom, Lopburi, U Thong), im Irrawaddy-Delta und Tenasserim-Gebirge zahlreiche Mon-Fürstentümer zu einem lockeren Verband im Dvaravati-Reich zusammengeschlossen. Die Skulpturen und Bauwerke aus jener Zeit sind durch eine klare Linienführung sowie symmetrische, stark stilisierte Muster gekennzeichnet. Die Buddha-Statuen, überwiegend in stehender Haltung, wirken recht massiv und breitflächig. Typisch sind die spiralenförmigen, großen Locken der Köpfe sowie die zusammenlaufenden, wellenförmig geschwungenen Augenbrauen. Die erstarkenden Khmer in Kambodscha begannen im 9. Jahrhundert ihren Machtbereich zu festigen und nach Westen hin auszudehnen. Sie verdrängten die Mon und beherrschten die Flußebene des Menam Chao Phraya, bis sie im 13. Jahrhundert von den Thai zurückgedrängt wurden. In Phimai, Lopburi, Suk-ho-thai und an anderen Orten sind Zeugnisse der vom Mahayana Buddhismus beeinflußten Khmer-Architektur erhalten geblieben, die als Lopburi-Stil bezeichnet wird. Typisch sind die reich dekorierten Tempeltürme, die Prangs. Auf einem rechteckigen Unterbau sitzt ein phallusförmiger Turm, dessen Nischen vor allem Buddha-Figuren zieren. Daneben sind Türstürze und Fenster mit figürlichen Darstellungen reich dekoriert. Die Buddha-Bildnisse aus jener Epoche weisen, ebenso wie die Bildnisse anderer Gottheiten, stark individuelle Züge auf. Häufig tragen sie Hals- und Armketten sowie einen kegelförmigen Kopfschmuck, dessen Abschluß am Haaransatz parallel zu den fast geraden Augenbrauen verläuft. Die wulstigen, großen Lippen und flachen, breiten Nasen geben dem rechteckig geformten Gesicht einen strengen Ausdruck. Parallel dazu entwickelte sich im nördlichen Lanna-Reich ein eigener Kunststil. Bereits vor der Gründung von Sukhothai hatten die Thai in der Gegend von Chiang Saen unter dem Einfluß der benachbarten Burmesen und des Mon-Reiches Haripunchai einen stark indisch geprägten Stil entwickelt. Sukhothai-Periode Mit der Gründung von Sukhothai durch den Thai-König Ramkhamhaeng war die Grundlage für die Entwicklung einer eigenen Thai-Kultur geschaffen. Typisch für die Tempelarchitektur der Sukhothai-Zeit ist der Lotosknospen-Turm. Die Buddha-Skulpturen vollziehen einen deutlichen Wandel, indem der Khmer-Stil fast völlig umgekehrt wird. Die Gesichter erhalten einen fast weiblichen, verklärten Gesichtsausdruck. Die spiralförmigen Haarlocken türmen sich über dem ovalen Gesicht in Form einer Stupa und enden in einer stilisierten Flamme. Über einer langen, spitzen Nase vereinigen sich die hochgeschwungenen Augenbrauen, die Lider sind halb geschlossen, während die Mundwinkel leicht nach oben gezogen sind. Die harmonisch fließenden Linien zwischen Kopf und Körper werden durch die langen, nach außen geformten Ohrläppchen unterstützt. U-Thong- und Ayutthaya-Periode Nach dem Zerfall von Sukhothai übernahm vom 14. bis zum 18. Jahrhundert das Königreich Ayutthaya im zentralen und südlichen Thailand auch in der Kunst die führende Rolle. In der frühen Ayutthaya-Periode bis zum 15. Jahrhundert, auch U Thong-Periode genannt, nahm man Elemente des Khmer- und Suk-hothai-Stils auf. Mit dem Erstarken der Großmacht traten diese Stilelemente in den Hintergrund. Von größtem Einfluß auf die buddhistische Kunst war der Königshof. Es entwickelte sich ein prunkvoller Stil. Man stand auch neuen europäischen Einflüssen nicht ablehnend gegenüber. Tempel wurden mit überdimensionalen Wandmalereien ausgestattet. Ornamente, Gold und Edelsteine schmückten die Buddha-Skulpturen, die im 18. Jahrhundert sogar in kopierte Königsgewänder gekleidet wurden. Sie veränderten ihren Ausdruck von der religiösen Entrücktheit der Sukhothai-Periode zu einer majestätischen, erhabenen Distanz. Allerdings wurden Kunstwerke vielfach bereits in großen Mengen hergestellt und verloren an künstlerischer Ausdruckskraft. Bangkok-Periode Mit der Zerstörung von Ayutthaya durch die Burmesen 1767 wurden nicht nur viele Kunstwerke und Schätze, sondern auch Handwerker und Künstler nach Burma verschleppt, die dem Land zu einer erneuten Blüte verhalfen. Die Cha-kri-Dynastie in Siam begann damit, der neuen Hauptstadt Bangkok wieder etwas Pracht der zerstörten Königsstadt zu verleihen. 1785 begann man mit dem Bau des Königstempels, Wat Phra Keo. Chinesische und europäische Einflüsse werden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgenommen und wie selbstverständlich integriert. Gutes Beispiel ist der Königspalast von Bangkok - ein Bauwerk in neoklassizistischer Bauweise mit einem gestaffelten Dach im typischen Ratanakosin-Stil, dem Bangkok-Stil der vergangenen 200 Jahre.
Buddha-Statuen Jahrhundertelang wurden Buddha-Statuen in Stein gemeißelt, aus Holz geschnitzt, aus Ziegelstein gefertigt und mit Gips überzogen, aus Bronze, Kupfer oder Gold gegossen. Daneben wurden auch hinduistische Götter und animistische Geister in Plastiken und Reliefs dargestellt, blieben jedoch zweitrangig. Obwohl sich die künstlerischen Stilrichtungen und technischen Möglichkeiten im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben, ist die Darstellung von Buddha, dem Erleuchteten, an strengen Prinzipien aus der überlieferten indischen Kunst orientiert. Mit den Buddha-Bildnissen will man, entsprechend der Hinayana-Lehre, nicht die Person darstellen, sondern an die Lehre erinnern. Von besonderer Bedeutung ist hierbei Asana, die Körperhaltung, und Mudra, die Handhaltung, als Ausdruck bestimmter Ereignisse und Lebenssituationen Buddhas. Traditionell werden vier Körperhaltungen dargestellt: sitzend, liegend, stehend und schreitend, wobei die erste am weitesten verbreitet ist und in verschiedenen Variationen vorkommt. Die symbolischen Handhaltungen haben unterschiedliche Bedeutungen.
Musik Schon immer gab es vielfältige Anlässe, um die Menschen mit Musik und Tanz zu unterhalten - zu religiösen Feierlichkeiten gehört eine musikalische Umrahmung ebenso wie zu Staatszeremonien, Dorf- und Familienfesten. Die ersten bekannten Musikinstrumente aus frühester Zeit sind Bronze-Gongs, die sowohl in Thailand als auch in Indonesien und Vietnam ausgegraben wurden. Bronze-Gongs gehören neben den Trommeln, Becken, der Oboe, Bambus-Flöte und dem Bambus-Xylophon zu den wichtigsten Musikinstrumenten in Thailand. In Thailand unterscheidet man drei Orchester-Typen: Am Königshof wird bei Zeremonien und Theateraufführungen das pi phat gespielt, das aus Gongs, Xylophonen, Metallophonen und einer Oboe oder Flöte besteht. Im Mahori-Orchester, das Solo- und Chorgesänge begleitet, kommen Laute, Zither und andere Saiteninstrumente hinzu. Das kruang sai hingegen, das ländliche Orchester, verwendet ausschließlich Saiten- und Blasinstrumente. Von großer Bedeutung für die Entwicklung der einheimischen Musiktradition sind chinesische, indische und indonesische Einflüsse. Während viele Musikinstrumente und Melodien aus dem chinesischen Raum stammen, kamen aus Indien die großen Sanskrit-Epen Ramayana und Mahabharata nach Siam. Tanz und Theater Diese beiden Heldenepen liefern den Stoff für zahllose klassische Tanz- und Theateraufführungen. Dem thailändischen Maskentanz der Götter und Dämonen, Khon, liegt die thailändische Version des Ramayana zugrunde. Bei den regelmäßig stattfindenden Aufführungen zeigen die farbenprächtig kostümierten und maskierten Tänzer nur einzelne Episoden aus dem großen Heldenepos, dem die dramatische Liebesgeschichte zwischen dem tapferen Prinzen Rama, seiner anmutigen Frau Sita und dem ewigen Kampf gegen den heimtückischen Widersacher Ravana zugrunde liegt. Besonders beim Khon sind Theater, Tanz und Musik auf das engste miteinander verbunden, denn die klassischen Vorlagen erfordern ein gutes Zusammenspiel von Orchester, Tänzern und Rezitatoren.Mit Ausnahme einiger Kampfszenen wird in Südostasien langsam getanzt. In kleinen Schritten schreiten die Tänzer mit verhaltenen, kontrollierten Bewegungen über die Bühne, als seien sie mit dem Boden verhaftet. Um so ausdrucksvoller sind die Gesten der Arme und Hände, wobei manchmal die Finger weit zurückgebogen werden. Während der Maskentanz in früheren Zeiten nur am Königshof aufgeführt wurde, unterhielt man mit weniger stilisierten, humorvollen und lebensnahen Lakon-Nok-Aufführungen bei Dorf- und Tempelfesten die gesamte Bevölkerung. Aus dem Lakon Nok entwickelte sich im 18. Jahrhundert der lakon nai, ein höfisches Tanztheater, das von den Frauen des Königs in graziösen, anmutigen, Bewegungen getanzt wurde. Sie wurden von Orchestern, Sängern und Rezitatoren begleitet, die in getragener Form romantische Epen vortrugen. Das beliebteste Motiv war Inao, das von Rama II. geschaffene, 20 000 Verse umfassende Epos. Das Thema von der dramatischen Liebe zwischen dem Prinzen Inao und der Prinzessin Busba ist einem javanischen Märchen entnommen.
Viele künstlerischen Fähigkeiten wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Während die alten Lackarbeiten, Seidenstoffe oder Celadon-Keramiken kaum noch erhalten sind, hat sich die Methode ihrer Fertigung in einer ungebrochenen Tradition bis heute bewahrt. Von den Einheimischen werden diese handgefertigten Einzelstücke keineswegs ausschließlich als Souvenirs gekauft, sondern finden noch immer bei Festen und im Alltag Verwendung. Seidenweberei Vor allem in den ärmeren ländlichen Regionen weben die Frauen in den Dörfern auf einfachen Webstühlen Seidenstoffe, die für besondere Festgewänder oder als Geschenke der Ehrerbietung verwendet werden. Die Seidenraupen werden mit Blättern von Maulbeerbäumen gefüttert bis sie sich in Kokons einspinnen. Nachdem die Reisernte eingebracht ist, beginnt die Zeit zum Weben und in allen Dörfern ist das monotone Schlagen der Webstühle zu hören. Die Frauen sitzen im Schatten ihrer Häuser und spinnen die feinen Seidenfäden, die anschließend bunt eingefärbt werden. Jim Thompson, ein Amerikaner (s.S. 156), begann mit der industriellen Seidenproduktion und der weltweiten Vermarktung. Naturfarben werden nur noch ganz selten benutzt. das Blau der Indigo-Pflanze, Rot aus dem Sekret eines Insektes und Gelb aus einer Wurzel. Besonders kostbar ist die thailändische "Mut-Mee"-Seide, deren Muster entstehen, indem man die Fäden spannt, abbindet und mehrfach einfärbt, bevor sie gewoben werden. Silberarbeiten Burmesische Handwerker, die bereits seit dem 13. Jahrhundert Silber bearbeiteten, brachten diese Kunst auch nach Nord-Thailand, wo neben Schmuck und modernen Gegenständen noch immer die traditionellen Schalen und Gefäße für den religiösen Gebrauch hergestellt werden. Das Silber schmilzt man zusammen mit alten, überwiegend indischen Münzen ein. Die ausgekühlten, dünnen Silberplatten werden anschließend mit Meißeln verschiedenster Größe bearbeitet bis die entsprechende Form und Dicke erreicht ist. Die feinen Reliefs und Ornamente der Schalen und Gefäße werden anschließend in wochenlanger Arbeit mit feinen Meiseln über einer hölzernen Form herausgearbeitet. Holzschnitzereien Schon vor Jahrhunderten wurden die Fassaden und das Innere der Tempel und Wohnhäuser mit plastischen Holzschnitzereien verziert. Besonders schöne Arbeiten findet man an den Giebeln, Türen und Fenstern der Tempel. Monatelang arbeiten Frauen und Männer aus einzelnen Holzstämmen tiefe Reliefs heraus, unter ihren Händen entstehen dreidimensionale Bilder, die von Buddhas Leben oder alten Heldenepen berichten. Für wertvolle Dekorationen, wie die berühmten Elefanten, und für Möbel wird das harte Teak-Holz verwendet, das einige Jahre ablagern muß, bevor es bearbeitet werden kann. Celadon Die Technik des unter hohen Temperaturen gebrannten Steinguts war in Nord-China bereits vor 2000 Jahren bekannt. König Ramkhamhaeng von Sukhothai brachte 1294 von einem Besuch in China dreihundert chinesische Töpfer mit. Sie produzierten in den Brennöfen von Sukhothai und Sawankhalok Celadon, das bis in den Vorderen Orient exportiert wurde.Mit dem Untergang von Sukhothai ging auch die Herstellung von Celadon zurück. Nach einem Krieg zwischen Ayutthaya und Lanna wurden alle Künstler aus Sukhothai, einschließlich der Töpfer, nach Chiang Mai gebracht, wo sich noch heute das Zentrum der Celadon-Produktion befindet. Noch immer verwendet man für die Keramik mit der grünlich schimmernden, eisenhaltigen Glasur keine chemischen Zusätze, sondern nur Material aus der Erde und dem Dschungel . Lackarbeiten Die Yun oder Kern aus den nördlichen Bergen Burmas sollen diese Kunst auch nach Nord-Thailand (Chiang Mai) gebracht haben, wo sie noch heute praktiziert wird. Die Herstellung von Schalen, Dosen und anderen Gegenständen erfolgt in einem langwierigen Prozeß. Zuerst wird eine Grundform hergestellt, die entweder aus Holz oder bei qualitativ hochwertigeren Gegenständen aus geflochtenem Bambus besteht. Diese wird mit einem Lack bestrichen, der aus Asche, Kalk und dem Saft des sogenannten Schwarzen-Lack-Baumes (Melanorrhoea usitatissi-ma) besteht. Nachdem er getrocknet und glattgeschliffen ist, werden weitere Lackschichten aufgetragen, wobei sich dieser Vorgang bis zu fünfzehnmal wiederholen kann. Einige Lackarbeiten werden mit Goldfarbe dekoriert, andere Arbeiten sind mehrfarbig verziert, wobei die Muster durch das Anbringen farbiger Lackschichten oder -ornamente entstehen, die anschließend graviert oder abgeschliffen werden
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