Elefanten und Teakwälder, die beiden typischsten Vertreter der thailändischen Fauna und Flora, werden die meisten Besucher des Landes kaum noch in ihrer natürlichen Form sehen können. Das Bild des Landes prägen statt dessen die kultivierten Reisfelder und domestizierte Wasserbüffel.

Flora

Die natürliche Flora von Thailand ist zum einen von den jeweiligen Bodenverhältnissen abhängig, zum anderen spielt die geographische Lage und damit das Klima eine große Rolle. Während im Süden immergrüne Wälder das Land bedecken, muß sich die Pflanzenwelt weiter im Norden an eine deutlich zunehmende Trockenperiode und stärkere Temperaturschwankungen anpassen. In den Bergregionen, wo Temperaturen bis in die Nähe des Gefrierpunktes absinken können, findet man eine völlig andere, kälteren Temperaturen angepaßte Pflanzenwelt.

 

Immergrüne Regenwälder

Immergrüne Regenwälder findet man in Thailand nur im Süden (etwa ab Chumphon) vor, wobei Primärwälder nur noch etwa 3% der Landesfläche bedecken. In über 70 m Höhe erstreckt sich das dichte Blätterdach ihrer höchsten Bäume, das die anderen Pflanzen vor direktem Sonnenlicht, Temperaturschwankungen und Änderungen der Luftfeuchtigkeit schützt. Andererseits müssen sich die niedrigeren Bäume, in der Konkurrenz um das Licht, dem Himmel entgegenstrekken. Im Dämmerlicht zwischen den breiten Brettwurzeln und herabhängenden Lianen wachsen verschiedene Büsche und Sträucher, die eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen, aber mit wenig Licht auskommen. Das Laub und andere organische Stoffe werden am Boden von Kleinstlebewesen zersetzt und in Humus umgewandelt. Er bildet auf dem zumeist unfruchtbaren, tropischen Lehmboden eine dünne Auflage und ist die überwiegende Nährstoffquelle der Pflanzen. In Bodennähe wird das Grün der Wälder nur selten von farbigen Blumen unterbrochen. Viele Orchideenarten sind Epiphyten und leben, wie Schmarotzerpflanzen, auf anderen Pflanzen in den oberen Stockwerken des Waldes. An einer Lichtung ändert sich die Vegetation schlagartig, da die Sonne hier bis auf den Boden vordringen kann. Gras, Sträucher und andere Pflanzen wachsen im Überfluß und bilden ein undurchdringliches Dickicht.

Sobald dieser Wald abgeholzt wird, fehlt es an organischen Stoffen für den natürlichen Kreislauf von Pflanzenwachstum und Humusproduktion. Zudem ist der lockere Humusboden durch das Wurzelwerk der Pflanzen nicht mehr geschützt und rasch ausgewaschen. Wird das Land nicht bebaut, entwickelt sich nach langer Zeit ein Sekundärwald, der weitaus weniger Artenfülle aufweist und aus niedrigen Bäumen, Büschen und Lianen besteht.

 

Mangrovenwälder

An den flachen Küsten im tropischen Süden bilden Mangrovenwälder manchmal einen kilometerlangen, nur schwer durchdringlichen, schmalen Saum.

Die unterschiedlichen Baumarten dieser bis zu 20 m hohen Wälder finden durch ein Stelzwurzelsystem Halt im Schlick und Schlamm des durch die Gezeiten stark strömenden Gewässers. Häufig bilden sich vor den Mangroven Sandbänke im Meer, wodurch die Sümpfe verlanden. Vor allem dort, wo die Mangroven abgeholzt wurden, wachsen in den ausgedehnten, sumpfigen Deltagebieten der großen Flüsse Nipapalmen (Nypa fruticans), deren große Palmwedel zum Dachdecken und für Matten verwendet werden und aus deren Früchten eine Art Bier für den Eigenbedarf gebraut wird.

In zunehmendem Maße werden die Mangroven zu Holzkohle verarbeitet und nach Bangkok, Singapore und in die arabischen Länder verkauft. In einem halben Jahrhundert ist bereits die Hälfte aller Mangrovenwälder verschwunden. Das Gleichgewicht wird dadurch nachhaltig gestört, und der Ufersaum ist schutzlos der Meeresbrandung ausgesetzt, so daß das Land vom Meer überspült wird. Zudem belastet die zunehmende Zersiedlung und die Anlage von Shrimpfarmen das Ökosystem der Küste.

 

Monsunwälder

Ausgeprägte Trockenzeiten bestimmen den Pflanzenwuchs in den meisten Landesteilen. Wie in unserem Winter werfen die Bäume in der regenarmen Zeit ihre Blätter ab. Bereits im Dezember und Januar leuchten die Blätter in herbstlichen Farben. Bis zum Einsetzen der Regenzeit im Mai sind sie unbelaubt mit Ausnahme einiger Bäume, die gerade jetzt in kräftigen Farben blühen. Da während dieser heißesten Jahreszeit kein schattenspendendes Blätterdach die untere Bodenregion der Wälder vor direkter Sonneneinstrahlung schützt, können dort nur Pflanzen überleben, die sich diesem jahreszeitlichen Klimawechsel angepaßt haben. Mit dem Einsetzen der Regenzeit entwickelt sich dann wieder eine üppige Belaubung. Im Gegensatz zu vielen Bäumen werfen die niedrigen Büsche und Pflanzen ihre Blätter nicht ab, da diese durch eine verdunstungshindernde Schicht vor zu starkem Austrocknen geschützt sind.

Die Artenvielfalt dieser Monsunwälder ist wesentlich geringer und der Bestand ist lichter als im immergrünen Regenwald. In trockenen Monsunwäldern überwiegen die Dipterocarpaceen, lichte Bäume mit immergrünen, ledrigen Blättern, deren Blüten und Harz einen aromatischen Duft verbreiten.

Ein typischer Vertreter der laubabwerfenden Wälder ist der Teakbaum (Tectona grandis), dessen hartes, haltbares Edelholz bereits seit Jahrhunderten geschätzt wird. Er zeichnet sich sogar unter tropischen Bedingungen durch extreme Langlebigkeit aus. Auf wasserdurchlässigen Böden in den unteren Bergwäldern (bis zu 900 m Höhe) von Indien, Burma und Thailand beheimatet, gedeiht er am besten bei einer mittleren Jahrestemperatur zwischen 24° und 27°C und einer jährlichen Niederschlagsmenge von etwa 1500 mm. In Plantagen werden mittlerweile die nur spärlich samentragenden Bäume mit den bis zu einem halben Meter großen Blättern rekultiviert. Dabei erreichen unter optimalen Bedingungen die geraden, hohen Stämme bereits in 15 Jahren eine Höhe von nahezu 20 Metern, während sie unter natürlichen Bedingungen hierfür bis zu 200 Jahre benötigen.

 

Bambuswälder 

In einigen Flußtälern Nord-Thailands stehen dichte, undurchdringliche Bambuswlder. Diese baumähnlichen, hohen Gräser werden, wie kaum eine andere Pflanze, sowohl als Nahrungsmittel als auch für den Hausbau und die Herstellung verschiedenster Gegenstände genutzt. In trockenen Gebieten herrschen hohe, schirmförmige Akazien- und Dornbuschsavannen vor.

 

Wasserhyazinthen 

Viele Flüsse und Klongs sind mit großen Inseln dickblättriger, tiefgrüner Wasserpflanzen bedeckt, die den Schiffsverkehr behindern. Erst 1901 wurden die Wasserhyazinthen aus Java nach Thailand eingeführt, wo sie sich rasant vermehrten. Nach vergeblichen Versuchen, die Ausbreitung der zählebigen Pflanze zu verhindern, hat man ihre Vorteile erkannt. Die Wasserhyazinthe kann nicht nur - wie eine natürliche Kläranlage - das Wasser sauberhalten sondern aufgrund ihres hohen Proteingehalts auch als Futter, Dünger und auf andere Art wirtschaftlich genutzt werden.

 

Fauna 

Im Übergangsbereich zwischen China und der malaiischen Halbinsel verfügt Thailand über eine besonders artenreiche Fauna. Dennoch sind sechzehn Tierarten von der Ausrottung bedroht und acht weitere bereits oder nahezu ausgestorben. Obwohl seit 1961 zum Schutz der Tiere immer mehr Naturparks eingerichtet werden, sind vor allem die Großsäugetiere der tropischen Wälder stark gefährdet - so das Sumatra-Nashorn (das nur noch im Umphang Distrikt in der Provinz Tak lebt), Tapir, Leopard und Tiger. Raubtiere oder andere Großwildarten bekommt man in den seltensten Fällen tatsächlich zu Gesicht. Die schonungslose Jagd auf das Nashorn, dessen Horn nach chinesischer Tradition ein Aphrodisiakum sein soll, war ein wichtiger Grund für das Verschwinden der Tierart. Neben der Jagd und dem illegalen Tierfang wurde zudem durch das Abholzen der Wälder der Lebensraum der Tiere eingeengt. Auch die Meeresfauna ist durch die gnadenlose Überfischung massiv gefährdet.

 

Elefanten

Sogar der von den Thais seit Jahrhunderten verehrte und wegen seiner Kraft geschätzte Elefant ist gefährdet. Man nimmt an, daß wilde Elefanten, sofern man sie nicht stärker schützt, in 30 - 40 Jahren ebenfalls ausgerottet sein werden. In ganz Thailand leben laut WWF etwa 1000 wilde Elefanten, überwiegend im Tenasserim-Gebirge entlang der burmesischen Grenze. Zudem wurden etwa 3000 gezähmte Elefanten, vor allem für den Abtransport der Bäume aus dem Dschungel, gehalten (1955 waren es noch über 13 000). Mit dem 1989 ausgesprochenen Verbot, für kommerzielle Zwecke Bäume zu fällen, wurden viele Elefanten in Thailand arbeitslos. Einige arbeiten jetzt in Burma und Laos, transportieren Touristen durch den Wald oder ziehen bettelnd durch Bangkok. Doch die Tage der Dickhäuter sind gezählt, da auch Bambus und andere einheimische Pflanzen, von denen sie sich ernähren, mehr und mehr von Eukalyptusplantagen verdrängt werden.

Wer einen Eindruck von der Arbeitsleistung dieser Tiere im Dschungel erhalten möchte, kann ein Trainingscamp für junge Elefanten besuchen. Mit den Stoßzähnen hebt ein ausgewachsenes, kräftiges Tier von 16 - 40 Jahren bis zu 400 kg und zieht bis zu 1 1/2 Tonnen. Die Stoßzähne des asiatischen Elefanten sind zwar kleiner als die des afrikanischen, dennoch werden ein Paar der bis zu 80 cm langen und 24 cm starken Zähne für 20 000 Baht und mehr verkauft. Seit dem weltweiten Verbot des Elfenbeinhandels ist der Markt weitgehend zusammengebrochen. Ein ausgewachsener Arbeitselefant, der ein 6jähriges Training hinter sich hat, wird mit 200 000 Baht gehandelt.

 

Andere Säugetiere

Kleinere Tiere, die noch relativ häufig auftreten, sind die Wildrinder Banteng und Kating. Die Monsunwälder sind der Lebensraum der Hirsche, des Sambar (Cervus unicolor), ein dunkelbraunes, verhältnismäßig großes Tier, und des Schweinshirsches.

Oft sind auch Affen zu hören und zu sehen, vor allem Gibbons und Makaken. Von einer rotbraunen Makakenart mit kurzem Schwanz, die überwiegend auf dem Dschungelboden lebt, werden junge, männliche Tiere gefangen, gezähmt und in den Dörfern bei der Kokosnuß-Ernte (z.B. auf Ko Samui) eingesetzt. Wie Experten klettern sie die hohen Palmen hinauf und drehen mit ihren Füßen die reifen Früchte so lange, bis diese herunterfallen. Gut trainierte Tiere können bis zu 700 Kokosnüsse pro Arbeitstag ernten.

Im immergrünen Regenwald sind relativ häufig sogenannte Gleiter zu sehen. Das größte unter ihnen, das Riesenflughörnchen, erreicht voll ausgestreckt eine Länge von beinahe einem Meter, wobei der Rumpf etwa 50 cm lang ist. Daneben gibt es Flattermakis (flying lemur), die zur Familie der Halbaffen gehören und etwa die Größe einer Hauskatze erreichen, Flugdrachen (flying lizard) und Flugfrösche. Sie alle haben eine Gleitfähigkeit entwickelt, die es ihnen erlaubt, sich im Blätterdach des Dschungels schnell fortzubewegen.

In den Höhlen leben Schwärme von bis zu einer Million Fledermusen, die abends fast gleichzeitig aufbrechen, um auf Insektenfang zu gehen. Die 1,5 g schwere Hummel Fledermaus (Craseonycteris thonglongyai), die erst 1973 entdeckt wurde, gilt als das kleinste Säugetier der Welt.

 

Wassertiere

Thailands Gewässer sind nicht nur die Heimat zahlloser Fische und Frösche, sondern auch die der Schildkröten und Krokodile. Größtes Reptil ist das Leistenkrokodil, das bis zu 10 m lang werden kann, jedoch ist das kleine Siamesische Krokodil weiter verbreitet. In den Mangrovensümpfen leben Schlammspringer, etwa 15 cm lange Fische, die auch auf dem Land leben können, da sie in ihren Kiemen die Feuchtigkeit speichern und sich auf ihren Brustflossen, die wie Arme ausgebildet sind, durch den Schlamm bewegen. In den Gewässern zwischen Chumphon und Ko Tao treffen Taucher häufig den größten Fisch der Erde, den Walhai, an. Er kann bis zu 18 m lang werden und über 10 Tonnen wiegen. Der Fisch gehört zur Familie der Haie und ernährt sich hauptsächlich von Plankton. (Wale sind bekanntlich Säugetiere.) Zwischen den Inseln vor Trang leben seltene Seekühe, Dugong genannt. Diese walzenförmigen Säugetiere, die das Wasser nie verlassen, können bis zu 4 m lang und 400 kg schwer werden.

 

Schlangen

Unter den über 100 Schlangenarten Thailands gibt es sechzehn giftige, aber nur sechs, deren Biß tödlich sein kann - die Königskobra (Naja hannah), Kobra (Naja naja), Russel's Viper (Vipera russelli), die Gestreifte Krait (Bungarus fasciatus), die Malaiische Viper (Ancistrodon rhodostoma) und die Grüne Pit Viper (Trimeresurus popeorum) sowie einige Arten von Seeschlangen. Während die Kobra beim Biß ein Nervengift überträgt, wirkt das Gift der Vipern auf Blut und Blutgefäße.

Auch die längste Schlange Asiens, die Netz-Python, kommt in Thailand vor. Pythons können bis zu 10 m lang werden und bei dieser Länge etwa 140 kg wiegen. Sie umschlingen und erdrücken ihre Beute, die aus kleineren Säugetieren, Affen oder Vögeln besteht. Mitunter verirren sich Pythons sogar in Städte.

 

Insekten

Unüberschaubar ist die Vielfalt an Insekten - Grillen, Grashüpfer und Gottesanbeterinnen gibt es ebenso wie die weniger angenehmen oder sogar gefährlichen Ameisen, Anopheles-Mücken, Wespen, Hornissen, Hundertfüßler, Tausendfüßler und Raupen. Allein von den in allen Größen und Farben vorkommenden Schmetterlingen gibt es in Thailand 500 verschiedene Arten.

Beeindruckend ist der Nashornkäfer, der bis zu 5 cm lang werden kann. Unter der Vielzahl an Käferarten existieren auch winzige Käfer, die mit Ameisen in ihren Nestern zusammenleben und mit ihnen eine Symbiose eingegangen sind. Die Riesenameise, der man häufig auf Dschungelpfaden begegnet, wird über 2,5 cm lang.

Die Rote Baumameise baut Nester aus Blättern oder Blattstücken, die durch ein fadenähnliches Sekret zusammengefügt werden. Wenn man durch Zufall an eines ihrer Nester stößt, reagiert diese Ameisenart äußerst aggressiv.

 

Vögel

Nur selten sieht man einen der zahllosen Vögel. Sie halten sich vor allem in den Wäldern in den oberen Baumkronen auf. Schon von weitem ist das laut klatschende Fluggeräusch der Nashornvögel zu hören, deren Flügel Spannweiten bis zu drei Metern erreichen.

An den Flußläufen huschen die grünblau schillernden Eisvögel auf ihrer Jagd nach Insekten und kleinen Fischen entlang, während die weißen Reiher auf dem Rücken der Wasserbüffel und in den Reisfeldern ihre Nahrung suchen.

Auch Kraniche und Störche leben in dieser offenen, überschaubaren Landschaft. Vogelparadiese sind vor allem die Feuchtgebiete, die mit über 250 000 km2 knapp 5% der Landesfläche bedecken, wie z.B. der Khao Sam Roi Yot National Park, das Vogelschutzgebiet Tale Noi im Süden und Bung Boraphet östlich von Nakhon Sawan.

 

Leben im Korallenriff

Die Riffe sind ein wichtiges Ökotop der tropischen Meere, ein Lebensraum, in dem die größte Artenvielfalt an Meeresfauna und -flora zu finden ist. Die Grundlage dieser Tierstöcke wird vor allem von den Steinkorallen gebildet. Ein einzelnes dieser Kleinstlebewesen, das sich auf einem Felsen oder Stein festsetzt und langsam heranwächst, liefert die Grundlage für das Entstehen einer Kolonie. An der Unterseite des zylindrischen Körpers produziert das Tier mit seinen Ausscheidungen eine Kalkplatte, durch die es auf der Unterlage festhaftet. Dann werden von weiteren Kalkausscheidungen strahlenförmig auf der Platte stehende Leisten ausgebildet, deren Außenwände wiederum miteinander verbunden sind. Durch fortgesetztes Knospen und Ausscheiden des Kalks entsteht im Laufe der Jahrhunderte ein Korallenriff, das etwa 0,5 bis 2,8 cm pro Jahr wächst und zu kilometerlangen "Gärten" zusammenwachsen kann. Die lebenden Korallen können, im Gegensatz zu dem weißen, abgestorbenen Skelett, die verschiedensten Farben annehmen. In ihm haben zahllose Korallenfische, Muscheltiere, Krebse, Quallen, Seeanemonen, Seesterne und Kleinstlebewesen ihren Lebensraum gefunden. Korallen und Algen leben nicht in dunklen Meerestiefen, sondern nur in einer Tiefe von etwa 3 bis 50 m.

 

Haustiere

Neben dem Wasserbüffel, dem Rückrat der südostasiatischen Landwirtschaft, werden in dem überwiegend buddhistischen Land viele Tiere für die Fleischproduktion gehalten. Unter den auf Stelzen errichteten Häusern und in den umliegenden Gärten leben Schweine, Enten und Hühner, und vereinzelt grasen auf den Weiden höhergelegener, kühlerer Regionen große Rinderherden. In den Tempeln finden Dutzende herrenloser Hunde und Katzen Zuflucht, die durchaus wohlgenährt sind, aber auch als gefährliche Überträger von Tollwut gelten. Ganz ungefährlich hingegen sind die Geckos, kleine Eidechsen, die mit Vorliebe abends an den Zimmerdecken rings um die Lampen Insekten auflauern, um sie zu verspeisen.

 

Landschaften

In den abwechslungsreichen Landschaften Thailands zeigen und verbergen sich überaus viele Naturschönheiten, vor allem überwucherte Kalksteinfelsen, herrliche Tropfsteinhöhlen und vielfältige Wasserfälle.

Kalksteinfelsen

Vor allem in Süd-Thailand ragen die subtropischen Kegelkarstfelsen aus der Ebene auf. Diese Landschaftsform kommt ansonsten nur noch in Vietnam und Südchina vor.

Sie entstanden während einer regenreichen Kaltzeit (Pluvialzeit) durch Lösungsverwitterung (Korrosion) einer ehemals zusammenhängenden Kalktafel. An der Grenze von Kalkgestein zu undurchlässigem Nebengestein blieben diese steilwandigen Türme als Reste der ehemals höhergelegenen Landoberfläche erhalten. Im Meeresnationalpark von Phang Nga und in der Gegend von Krabi sind die bizarren, von wild wuchernder Strauchvegetation und einzelnen Schirmbäumen überzogenen Felsen am leichtesten zugänglich.

 

Höhlen

Durch Auswaschung wurde das Kalkgestein durchlöchert und bildete Hhlen, in denen stetig tropfendes Wasser Stalagmiten (von unten) und Stalaktiten (von oben) formt. Manche dieser Höhlen besitzen mehrere Ausgänge, einige werden von Bächen oder sogar Flüssen durchflossen. Viele Höhlen im ganzen Land enthalten buddhistische Heiligtümer oder dienen als Meditationsklausen.

 

Wasserfälle

Die Thais lieben ihre Wasserfälle, ob sie steile Felswände herunterrauschen, hundertfache Kaskaden bilden oder Sinterterrassen herunterrieseln. Fast immer gibt es Badeplätze oder sogar Swimming Pools, in denen sich die Einheimischen vor allem am Wochenende vergnügen.

Das Wasser ist meistens völlig klar und rein, da es aus unbewohnten Wäldern stammt. Nur in der Regenzeit nimmt es eine erdbraune Farbe an. Die freie Fallhöhe der Wasserfälle beträgt nur selten mehr als 20 m. Doch die Thais messen die Höhe einschließlich aller Zwischenstufen, dadurch kursieren gewaltige Werte. So mancher Tourist ist deshalb enttäuscht von den thailändischen Wasserfällen und übersieht ihre Reize.

In vielen Restaurants hängen Poster der schönsten Wasserfälle, die zumeist ihr Aussehen bizarren Kalktuffen verdanken. Sie entstehen durch Kalkablagerung auf feinen Pflanzenhaaren der im kalkhaltigen Wasser wachsenden Algen, Moose und Blütenpflanzen. Durch das Entweichen der Kohlensäure bilden sich poröse Kalktuffe, die nachträglich durch Kalksubstanz ausgefüllt werden. Die festen Kalknasen werden vom Moos überwuchert und bilden Barrieren, auf denen weiterer Kalk abgelagert wird und so kleine, poröse Terrassen ausbildet, die pro Jahr 2 bis 3 cm wachsen können.

 

Strände

Thailand ist berühmt für seine wunderschönen Strände. Entlang der 2600 km langen Küste und auf Hunderten von Inseln wurden in Jahrtausenden Muschelkalk, Korallengestein oder Sandstein zerrieben. So entstanden mannigfaltige Strände, die einheimische und westliche Touristen anziehen.

Thais lieben vor allem die sehr flachen, festen Strände, an denen sie bis über die Knöchel im Wasser flanieren können. Sie sammeln Muscheln, Krebse, Seesterne und anderes Meeresgetier, rasten unter den schattenspendenden Kasuarinas und vertilgen große Mengen von Mekhong Whisky zu scharfen Snacks. Westliche Touristen ziehen rasch abfallende Badestrände vor, über die sich Kokospalmen neigen. So kommt man sich nur selten ins Gehege.

Ein seltsames Phänomen stellen die Gezeiten im Golf von Thailand dar. Sie verlaufen völlig anders als etwa an der Nordsee. Es kann sehr viel Spaß bereiten, sich die jeweiligen lokalen Erklärungen anzuhören.

 

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Autoren Richard und Ursula Doring