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| Thailand - ein aufstrebendes Schwellenland Südostasiens ging politisch schon immer eigene Wege
Nach der Revolution von 1932 wurde die erste Verfassung des Landes in Kraft gesetzt. Danach liegt die oberste Gewalt in der Hand des Volkes. Der Monarch, die Nationalversammlung, der Staatsrat und die Gerichte üben die Staatsgewalt im Namen des Volkes aus. War damit die Souveränität des Volkes gegeben, so wurden außerdem die Gleichheit vor dem Gesetz wie auch die allgemeinen Grundfreiheiten westlicher Verfassungen garantiert. Seit 1932 sind zwar viele neue Verfassungen erstellt worden, die aber alle diese Grundsätze beibehielten.
Obwohl die Revolution von 1932 das Ende der absoluten Monarchie bedeutete, verehrt die Bevölkerung in hohem Maße die Königsfamilie und sieht in ihr ein die Nation einigendes Element. Der König ist Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und religiöses Oberhaupt zugleich. Die Intensität der Verehrung der königlichen Familie ist für Europäer kaum nachvollziehbar. Das Portrait von König Bhumipol und der Königin findet sich in jedem Haus, in jedem Laden, selbst in den einfachsten Hütten armer Bauern, in den Büros der Staatsangestellten ebenso wie in Restaurants oder Coffeeshops. Der König steht über dem politischen Tagesgeschehen, und so hat Bhumipol seit seinem Amtsantritt 1946 insgesamt 19 Militärputsche oder gewaltsame Regierungswechsel erlebt. Das Königshaus wirkte in all den Wirren immer als stabilisierende Kraft. König Bhumipol und Königin Sirikit haben einen Sohn, Kronprinz Maha Vajrakingkorn, und drei Töchter, Prinzessin Chulabhorn, Prinzessin Sirindhorn und Ubol Ratana, die mit einem Amerikaner verheiratet ist und keine representativen Funktionen mehr wahrnimmt. Vor allem Prinzessin Sirindhorn, die bei der Bevölkerung große Beliebtheit genießt, unterstützt unermüdlich die Arbeit ihres Vaters, wofür sie den neuen Titel Maha Chakri erhielt. Zudem wurde 1974 zum erstenmal in der Geschichte des Landes die Thronfolge dahingehend geändert, daß auch königliche Töchter die Nachfolge übernehmen können. Die Königsfamilie gibt sich volksverbunden und besucht selbst abgelegene Provinzen. In vielen königlich initiierten und unterstützten Projekten werden vor allem in der Land- und Forstwirtschaft neue Maßstäbe gesetzt. Auf dem Gelände des Chitralada Palastes, in dem die königliche Familie residiert, wurde eine Experimentier-Milchfarm errichtet, in der bestimmte, klimageeignete Rinderarten für die Milchproduktion gezüchtet werden. Ebenfalls bekannt ist die Fischzuchtstation. Die sich schnell vermehrenden Tilapia Fische ernähren sich von Unkraut und Insektenlarven und können in den Reisfeldern zu einer Verringerung des Einsatzes von Chemikalien beitragen. Gleichzeitig wird der Landbevölkerung dadurch proteinhaltige Nahrung zur Verfügung gestellt. Die in den Gebirgen des Nordens ansässigen Bergstämme sind ein besonderes Ziel königlicher Entwicklungshilfe. Beispiel dafür ist z.B. die Ersetzung des bisher traditionellen Mohnanbaus im Meo Dorf auf dem Doi Inthanon durch sogenannte cash crops wie Blumen, Pfirsiche, Äpfel, Kaffee oder Erdbeeren. Die ausgeprägte Verehrung des Königs kommt zudem im täglichen Abspielen der Königshymne zum Ausdruck. Morgens um 8.00 steht die Nation still, wenn aus öffentlichen Lautsprechern die Königshymne erklingt. Ähnliches geschieht im Kino - vor dem Beginn der Vorstellung erscheint die Fahne und der König auf der Leinwand, die Hymne wird abgespielt und alle Kinobesucher erheben sich von ihren Stühlen.
Innenpolitisch steht die Regierung vor schwierigen Aufgaben. Zwar konnte das Bevölkerungswachstum reduziert werden und liegt mit 1,5% im Vergleich zu anderen asiatischen Entwicklungsländern recht gut. Trotzdem hält der Ansturm der zum Teil in tiefer Armut lebenden Landbevölkerung in die Städte, vor allem nach Bangkok, an. Insbesondere im Nordosten, der in jüngster Zeit häufig von schweren Dürrekatastrophen heimgesucht wurde, vergreisen die Dörfer. Die Jugend drängt sich um die wenigen vorhandenen Arbeitsplätze. Neue können trotz des atemberaubenden wirtschaftlichen Aufschwungs nicht schnell genug geschaffen werden. Im wirtschaftlichen Entwicklungsplan werden die Probleme auch beim Namen genannt, und es wird zugegeben, daß die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts eindeutig die Industrie bevorzugt hat, und damit auch die erzielten Gewinne eindeutig in eine bestimmte Richtung geflossen sind. Ziele sind die Verbesserung der ländlichen wie städtischen Infrastruktur, die Veränderung des Eigentums an bestellbarem Boden und eine staatliche Erzeugerpreis-Politik. Die Maßnahmen gegen die neue Volksseuche AIDS (Meldepflicht, Verpflichtung der Prostituierten zum Gebrauch von Kondomen) wurden zu spät initiiert und packen das rasant wachsende Problem nicht an der Wurzel.
In der Auenpolitik war Thailand seit dem Ende des 2. Weltkriegs bis in die 70er Jahre auf streng antikommunistischem Kurs und mit den USA militärisch verbündet. Thai-Soldaten kämpften in Korea und Vietnam. Unter Kriangsak begann eine vorsichtige Annäherung an die Nachbarn im Osten: Vietnam, Laos und Kambodscha. Damit wurde dem traditionellen Ziel der Außenpolitik Thailands, die Unabhängigkeit durch realistische Beziehungen zu den drei wichtigen Großmächten Sowjetunion, China und den USA zu bewahren, Rechnung getragen. Unter dem Eindruck der vietnamesischen Aggression in Kambodscha kam wieder zu einer stärkeren Anlehnung an die USA. Die Auflösung des Ostblocks erleichterte in den 90er Jahren den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu den ehemals sozialistischen Nachbarstaaten. 1994 konnte die erste Mekong-Brücke zwischen Thailand und Laos eröffnet werden. Zudem ist Thailand Mitglied in der Bewegung der Blockfreien Staaten und im südostasiatischen Wirtschaftsverband ASEAN.
Noch mehr als die Hälfte der thailändischen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Etwa 15% arbeiten in der Industrie. Trotzdem liegt der Anteil der industriellen Produktion am Bruttoinlandsprodukt bei 39%. In der Landwirtschaft werden nur 11% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Während das Bruttosozialprodukt 1992 noch bei US$1840 pro Person lag, betrug es 1994 bereits US$2380 (zum Vergleich: Deutschland US$23 030) - ein Resultat des jährlichen Wirtschaftswachstums von etwa 8%. Landwirtschaft heißt in Thailand hauptsächlich Feldbau. Fleischproduktion wird nur in relativ kleinem Umfang betrieben. Andererseits ist die Zahl kommerziell betriebener Tierfarmen im letzten Jahrzehnt enorm gestiegen. Noch bis in die 50er Jahre wurde in erster Linie Naßreis angebaut, das Haupt-Nahrungsmittel in Thailand. Der Reisanbau bildete seit der Einwanderung der Thai-Stämme die Grundlage der Gesellschaft. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Flußniederungen kultiviert, die durch die alljährlich über die Ufer tretenden Flüsse neue Nährstoffe erhielten. Mitte des 19. Jahrhunderts begann Siam Reis zu exportieren, was zu einer Umstrukturierung der auf Selbstversorgung orientierten Landwirtschaft führte. Obwohl sich das Land rasch zu einem der größten Reisexporteure der Welt entwickelte, behielt man die überlieferten landwirtschaftlichen Anbaumethoden bei. Investitionen in die Intensivierung der Landwirtschaft hielten sich in Grenzen, so daß die Hektarerträge gleich blieben oder gar sanken, was zwangsläufig zu einer Ausdehnung der Anbauflächen führte. Um die rasch anwachsende Bevölkerung zu ernähren, mußten Böden kultiviert werden, die für den Reisanbau weniger geeignet waren und entsprechend geringere Erträge abwarfen. Neue Kulturpflanzen wie Zuckerrohr, Mais, Cassava, Tapioka und Kenaf mit geringeren Ansprüchen an Bodenqualität kamen hinzu, so daß nun selbst Berghänge und schlechte Böden genutzt werden konnten. Ebenso stieg die Produktion von Obst und Gemüse. ber die Hälfte aller Bauern in der fruchtbaren Region Zentral-Thailands sind nur Pächter des Landes und vielfach hoch verschuldet. Auch die 1975 begonnene Landreform änderte daran wenig, bzw. wurde von einer bestimmten Interessengruppe bewußt sabotiert. Der durchschnittliche Betrieb ist nicht einmal zweieinhalb Hektar groß. Thailand produziert zwar genügend Reis für den Eigenbedarf und den Export, dennoch gehen die Hektarerträge zurück oder stagnieren, vor allem im Nordosten, wo durch fehlende Niederschläge das Land zunehmend versteppt. Bauern, die durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden diese Entwicklung aufzuhalten versuchten, verschuldeten sich noch mehr. Der Preisverfall bei traditionellen Agrarprodukten, wie Tapioka und Schweinefleisch, und Mißerfolge bei der Einführung neuer Erzeugnisse, wie Cashewnüsse und Maulbeerblume, taten ihr übriges, die Unruhe unter den Bauern zu schüren. Als dann noch große Staudammprojekte die Existenz ganzer Dörfer bedrohten, kam es 1993/94 zu massiven Protestaktionen. ber die Hälfte der industriellen Produktionsstätten konzentriert sich im Großraum Bangkok, der dadurch an Attraktivität gewinnt und immer mehr Menschen vom Land anzieht. Die aus der zunehmenden Verstädterung resultierenden Probleme lassen sich nur durch eine Verbesserung der Situation auf dem Land lösen - eine Utopie? Die bedeutendsten Zweige der Industrieproduktion stellen die arbeitsintensive Textilindustrie, die Computer- und Halbleiterindustrie sowie die Verarbeitung von Nahrungsmitteln und anderer agrarischer Erzeugnisse dar. So erreichte Thailand innerhalb weniger Jahre die Weltspitze als Exporteur von Schalentieren. Relativ neu ist die Zement- und Automobilindustrie, die hauptsächlich im Ausland gefertigte Teile montiert. Obwohl die gesamte Industrieproduktion in der vergangenen Dekade enorm gewachsen ist, haben sich damit nicht automatisch die Arbeitsplätze vermehrt. Viele der neuen Industrien erfordern überwiegend kapitalintensive Technologien. Ob die gigantischen Industriekomplexe, die rings um Bangkok emporwachsen, wirklich Abhilfe schaffen können, wird vielfach bezweifelt. Exporte spielen für die thailändische Wirtschaft eine große Rolle. Bereits 40% des Bruttosozialproduktes wird ausgeführt, wobei ein Wandel von Rohstoffen und Nahrungsmitteln zu Fertigwaren und Industrieprodukten festzustellen ist. Reis, bis 1986 auf Platz eins, ist mittlerweile auf den siebten Rang zurückgefallen und von Textilien, Computerteilen (mit dem stärksten Wachstum), Edelsteinen, Garnelen, Plastikprodukten und integrierten Schaltkreisen überrundet worden. Vor allem landwirtschaftliche Produkte, Textilien und andere arbeitskraftintensive Produkte spüren die zunehmende Konkurrenz der ehemaligen sozialistischen Staaten, vor allem Vietnams, die aufgrund der geringen Löhne ihre Waren auf dem Weltmarkt wesentlich günstiger anbieten können. 6,2 Millionen Touristen kamen 1994 nach Thailand und blieben im Durchschnitt 7 Tage. Da etwa 54% der Touristen auf eigene Faust reisen, fließt nur ein geringer Teil der Einnahmen ins Ausland zurück. Der größte Teil der Einnahmen von über US$5 Milliarden bleibt als Devisenreserve im Land und macht den Tourismus zur größten Deviseneinnahmequelle. Mit diesem Geld wird der Import vieler Güter finanziert, die für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes benötigt werden, vor allem Maschinen, Chemikalien, Stahl und l.
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