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| Bisheriges Ziel der staatlichen Tourismuspolitik war es, neue Gebiete zu erschließen und mit touristischer Infrastruktur auszustatten. Ein Vorteil für jeden Besucher, der nicht wie ein Thai leben will oder kann.
Mittlerweile gibt es viele Reiseziele, deren Hotels und Restaurants sich auf die Bedürfnisse der fremden Gäste eingestellt haben. Priorität hat seit 1994 die Bewahrung der Umwelt und der Ausbau der Infrastruktur von touristischen Ziele, die vor allem durch den Massentourismus an ihre Grenzen gestoßen sind. Der Innenminister verabschiedete bereits 1989 eine strenge Regelung für Neubauten an den Stränden. So dürfen Neubauten, die bis zu 50 m vom Strand entfernt liegen, nur noch 6 m hoch sein. Bis zu 200 m vom Strand beträgt die maximale Höhe 12 m, also niedriger als die Kokospalmen. Leider wurde diese Regelung nur halbherzig, in einigen Provinzen noch gar nicht durchgesetzt. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Zweige der Wirtschaft Thailands und bringt mehr Devisen ins Land als irgendein anderer Exportartikel. Ein internationaler Tourismus im größeren Maßstab begann während des Vietnamkriegs, als viele US-Soldaten ihren R&R (rest and recuperation) Urlaub in Thailand verbrachten. Die Tourismusindustrie paßte sich nach dem Ende des Krieges schnell an die neuen Gegebenheiten an. Der Anteil europäischer Besucher wuchs weiterhin, und noch stärker stiegen die Zahlen der Besucher aus Asien und dem pazifischen Raum. 1994 wurde Thailand von 6,4 Mill. Touristen besucht. Ostasien und der pazifische Raum stellen den größten Anteil, wobei aus Malaysia etwa 730 000, aus Japan 570 000, aus Taiwan um 400 000 und aus Singapore rund 325 000 Touristen kamen. Über 1 200 000 Besucher kamen aus Europa, davon 320 000 aus Deutschland und etwa 81 000 aus der Schweiz. 1994 wurden von Touristen, nach Schätzungen, etwa 110 Milliarden Baht (ca. 7 Mrd. DM) im Lande gelassen, davon für: Einkäufe 2,8 Mrd. DM, Übernachtung 1,7 Mrd. DM, Essen 1,1 Mrd. DM, Ausflüge und Transport 1 Mrd. DM, Unterhaltung 560 Mill. DM, Sonstiges 140 Mill. DM. Der Durchschnittstourist hält sich 7 Tage auf und gibt pro Tag 2956 Baht (ca. 200 DM) aus. Besucher aus der Bundesrepublik bleiben mit 14 Tagen am längsten und geben 2443 Baht (ca. 163 DM) pro Tag aus. 54% aller Touristen, etwa 3,4 Millionen, sind Individualtouristen, wobei auch die meisten der 600 000 malaysischen Besucher Hat Yais in diese Kategorie fallen. Warum die größte Stadt im Süden so viele Männer aus dem Nachbarland anzieht, kann man leicht selbst feststellen. Neben Kenia und den Philippinen ist Thailand das wichtigste Reiseziel im internationalen Sextourismus.
Eine zweifelhafte Berühmtheit hat Thailand als Ziel des internationalen Sextourismus erlangt. Mehrere hunderttausend Prostituierte arbeiten im ganzen Land, von denen sich nur ein geringer Teil auf farang-Besucher spezialisiert hat. Meist sind es junge Mädchen aus der Provinz, die keine weiterführende Ausbildung genossen haben und aus dem entbehrungsreichen Leben im Dorf ausbrechen, um sich und ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Vom Dancing Girl in einer Go-Go-Bar ist es nicht weit bis zum Massagesalon. Einige Mädchen werden auch von Schleppern in Bordelle verschleppt oder gar von ihren Familien verkauft. Auf diesem Weg finden sich selbst Kinder auf dem Strich wieder. Die Maßnahmen derRegierung gegen die Prostitution sind eher halbherzig. Sextourismus ist eine relativ neue Erscheinung, Prostitution hingegen nicht. Es geht nicht darum, die Prostitution moralisch zu verurteilen, aber der moderne Sextourismus fügt der ökonomischen Ausbeutung der Dritten Welt noch die sexuelle hinzu. Leistungen, die zu Hause eine Menge Geld kosten, bekommt man hier zu Spottpreisen mit einer Sorglosigkeit geboten, die Gedanken an die finanzielle Basis der Beziehung oder gar an AIDS in den Hintergrund treten lassen. Wer sich der Illusion hingibt, wegen seiner männlichen Ausstrahlung geliebt zu werden, wird spätestens dann eines besseren belehrt, wenn das Geld alle ist. Und wer Gerüchten glauben schenkt, daß Mädchen, die nur mit farangs gehen, kein AIDS haben, dem ist nicht zu helfen. Nach Stichproben in verschiedenen Städten waren 30 - 90% der Prostituierten HIV-positiv. Selbst infizierte Mädchen gehen weiterhin ihrem Gewerbe nach. AIDS betrifft immer mehr einheimische Mittelstandsfamilien, denn unter Geschäftsleuten ist der Besuch eines Bordells üblich, und viele junge Männer sammeln hier ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Daher versucht die Regierung durch "Kondomzwang" und Legalisierung der Szene der Seuche Herr zu werden.
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