Der Boom Südostasiens fordert seinen Tribut. Die Umweltprobleme nehmen auch in Thailand mit zunehmender Industrialisierung und wachsendem Lebensstandard dramatisch zu.

 

 

Die Vernichtung der Wälder

Mit der Ausweitung der landwirtschaftlichen Anbaufläche während der letzten 35 Jahre von knapp 8 Millionen Hektar auf über 20 Millionen Hektar nahm gleichzeitig die Waldfläche Thailands von nahezu 30 Millionen Hektar auf etwas mehr als 10 Millionen Hektar ab. Jährlich wurden 2 Mill. m3 Holz geschlagen. Hierdurch verlor das Land seine wasserspeichernden und klimatisch ausgleichend wirkenden Wälder - die Folgen sind bereits überall zu erkennen.

Das wilde Abholzen von Bergregionen im Süden des Landes führte 1988 zu Erdrutschen, bei denen über 700 Menschen starben. Ein königliches Dekret stoppte daraufhin 1989 alle kommerziellen Holzfällerarbeiten. Mehr als bisher wird Holz aus Laos und Burma importiert. Dennoch geht die Waldvernichtung weiter, illegal und mit höheren Kosten, aber unvermindert.

Durch das Fehlen der natürlichen Wasserspeicher kommt es bereits zu Beginn der Trockenzeit zu ungewöhnlich frühem Wassermangel, die künstlichen Wasserspeicher füllen sich nicht mehr, und die Bevölkerung ist gezwungen, verstärkt Grundwasser anzuzapfen. Zudem hat der Boden durch das fehlende Wurzelwerk der Bäume keinen Halt mehr und wird von den Wassermassen während der Regenzeit gelöst und weggespült. Bodenerosion, Überschwemmungen und lange Dürreperioden sind das Ergebnis, denn Lalang-Gräser und Nutzpflanzen können weitaus weniger Wasser speichern als der Wald und den Boden kaum vor Erosion schützen

 

Die Folgen der Industrialisierung

Überhaupt nehmen in Thailand mit zunehmender Industrialisierung und wachsendem Lebensstandard die Umweltprobleme dramatisch zu. Die sogenannten Schwellenländer weisen bereits Züge unserer Wegwerfgesellschaft auf. Man entledigt sich des Mülls auf die bequemste Weise - Bahndämme, Strände, Picknickplätze, National Parks und Wanderwege zeugen davon. Aus Wohnhäusern, Fabriken und Hotels werden bedenkenlos alle Abfälle ungeklärt in die Flüsse und ins Meer gekippt - in Bangkok werden die Klongs zu Kloaken und verschwinden unter Straßen. Organische Abfallstoffe brauchen den Sauerstoff des Wassers auf, der Fluß kippt um, und die Fische verenden im faulig stinkenden Wasser. Besonders belasten die Lebensmittel-Industrie bei der Verarbeitung von Tapioka und Zuckerrohr, wie auch die petrochemische und Papier-Industrie, die Gewässer. Der zunehmende Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln fördert diese Entwicklung. Hinzu kommt die Belastung mit Schwermetallen, vor allem im relativ flachen Golf von Thailand.

 

Beispiel: Shrimp-Farmen

Im vergangenen Jahrzehnt setzte in verschiedenen Gesellschaftsschichten eine Art Wettlauf um das große Geld ein, ohne Rücksicht auf die Umwelt, auf gewachsene Sozialstrukturen und die technischen Voraussetzungen. So wurden im Süden Tausende von Hektar Land zu Shrimp-Farmen umgewandelt, die kurzfristig zwar Gewinne abwarfen, aber nach wenigen Jahren total vergiftet waren: die Reisfelder in der weiteren Umgebung können nicht mehr genutzt werden, das Grundwasser ist mit Pestiziden vergiftet und das abgepumpte Wasser aus den Teichen schädigte die Ökologie der Uferzonen. Der Schlamm in den Teichen ist hochgradig verseuchter Sondermüll, der von niemandem entsorgt werden kann. Kein Thai fühlt sich für die Beseitigung der Schäden zuständig oder gar verantwortlich - und schon kommen ausländische Entwicklungshilfeorganisationen, die an einigen Symptomen herumkurieren wollen. Die Verursacher dieser Katastrophen dürfen derweil weitere Shrimp-Farmen in bisher intakten Gebieten anlegen, z.B. in den gefährdeten Mangrovenwäldern oder gar in National Parks, die eigentlich unter besonderem Schutz internationaler Verbände stehen.

 

Umweltbewußtsein 

Doch auch ein gegenläufiger Trend ist zu erkennen. Während der letzten Jahre ist das Umweltbewußtsein gestiegen. Mittlerweile sind insgesamt 12,6% der Landesfläche unter Naturschutz gestellt worden. Man beginnt sich gegen die Zerstörung der Natur durch die zunehmende Industrialisierung ohne umweltschützende Auflagen zu wehren.

In Phuket stürmten 1986 aufgebrachte Demonstranten die erste Tantalum-Fabrikationsstätte und brannten sie nieder. Tantalum wird u.a. aus Rückständen der Zinn-Produktion gewonnen und bei der Herstellung von Kondensatoren, im Maschinenbau, in der Chemie und bei der Reaktor-Herstellung benötigt. In den Jahren 1988/89 verhinderten engagierte Studenten den Bau eines weiteren Staudammes nördlich von Kanchanaburi. Auch das einzigartige Gesetz zum Schutz der Wälder wurde durch den massiven Protest der Bevölkerung erstritten. 1990 gründete Phoruthep Phoruprapha (Siam Motors) das Projekt Think Earth, das ein Bewußtsein für die Erhaltung der natürlichen Resourcen fördern und entsprechende Projekte unterstützen möchte, um der kommenden Generation eine grüne Welt zu hinterlassen. Bisher wurden über eine halbe Million Bäume gepflanzt, Schildkröten gerettet und die Dugongs vor Trang vor dem Aussterben bewahrt.

Welche nationalen Umweltschutzbewegungen können mit solchen Erfolgen aufwarten? Da ist es kaum verwunderlich, wenn Forderungen und Ratschläge von wohlmeinenden westlichen Experten und engagierten Laien brüsk zurückgewiesen werden mit der Gegenforderung:

"Schützt zuerst eure eigenen Wälder! Sorgt für die Reinhaltung eurer eigenen Flüsse und Meere! Stoppt den Treibhauseffekt durch die Schließung eurer Kohlekraftwerke und Verminderung des Autoverkehrs!"

Um die Zunahme von Ödland zu stoppen, fördert die thailändische Regierung, und vor allem der König, Aufforstungsprogramme. Die regenerierten Waldflächen sind allerdings wesentlich kleiner als die gerodeten Flächen, doch neue Gesetze beschleunigen diese Projekte, um einen großen Teil der verlorenen Wälder in den nächsten Jahren zurückzugewinnen. Gleichzeitig versucht man, den Bergvölkern andere Anbaumethoden näherzubringen und den auf Brandrodungsfeldbau basierenden Mohnanbau durch das Anpflanzen von Gemüse, Blumen und anderen Nahrungsmitteln abzulösen.

Auch wir als Besucher des Landes können einen kleinen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt leisten

Generell gilt im Dschungel wie am Strand der Grundsatz take nothing but pictures, leave nothing but footprints. Daß die Thais selbst sich häufig nicht an diese Devise halten, ist keine Entschuldigung. Guides und Bootsleute kann man durchaus darum bitten, nicht kompostierbaren Müll von einer Tour mit zurückzunehmen.

Für manche Völker ist die Jagd lebensnotwendig - für uns ist sie ein unnützes Vergnügen, das nur Schaden anrichtet.

Souvenirs von bedrohten Pflanzen und Tieren (z.B. Schildkröten, Krokodile) werden nur hergestellt, wenn sich dafür auch Abnehmer finden. Der Import nach Europa ist aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens ohnehin verboten!

Taucher, die sich auf Korallen stellen oder sie gar abbrechen, haben bereits ganze Riffe zerstört. Auch für Schmuck und andere Souvenirs wurden viele Korallenbänke abgetragen, wodurch der Lebensraum zahlloser Fische, Krebse und anderer Weichtiere zerstört wurde.

Wer bei Touren in entlegene Gebiete feststellen muß, daß noch irgendwo Holz geschlagen wird, sollte dieses Wissen nicht für sich behalten, sondern Forstbehörden, Zeitungen oder thailändische Studenten davon informieren.

Softdrinks und Wasser gibt es auch in Pfandflaschen, Restaurantbesitzer kann man gezielt danach fragen. Auch auf Plastiktüten und überflüssige Verpackungen kann man verzichten. Auch unterwegs kann man darauf achten, daß Müll nicht achtlos in die Landschaft geworfen wird.

 

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